Takeaway & Delivery

"Gut verpackt in die Zukunft" - Bernd Born (PAPSTAR) im großen gastrotel-Interview

von Bernd Born

Bernd Born Karolina Treder

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Takeaway und Delivery boomen - gleichzeitig steigen die Anforderungen für Verpackungen. Zwischen Mehrwegpflicht, EU-Regulierung und wirtschaftlichem Druck suchen Gastronomen nach praktikablen Lösungen. Im Interview mit gastrotel spricht Bernd Born, Head of Media, Communication & Marketing bei PAPSTAR, über veränderte Konsumgewohnheiten, die Grenzen bestehender Mehrwehsysteme und das Potenzial kreislauffähiger Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen.

Herr Born, der Außer-Haus-Markt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell im Bereich Takeaway und Delivery?

Waren Lieferservice und Takeaway im herkömmlichen Sinne für viele Gastronomen eher lediglich eine Ergänzung zum stationären Geschäft, hat sich der auch nach der Corona-Krise unvermindert anhaltende Delivery-Boom mittlerweile durchgängig zu einem zweiten Standbein entwickelt.

Viele Verbraucher sehen Takeaway als erschwingliche Alternative zum auswärts essen gehen. Allgemein hat sich gesellschaftlich vieles in Richtung To-go oder nach Hause verlagert, auch, weil die hohe Inflation zwangsläufig zu Sparmaßnahmen führt. Im Restaurant fallen beispielsweise Trinkgeld und weitere Kosten für Getränke an, die es 'unterwegs' oder in den eigenen vier Wänden so nicht gibt.

Last but not least schlagen sich auch viele über Social Media gefütterte Trends in gesteigerten und trendbasierten Bestellpräferenzen nieder.

 

Welche Anforderungen stellen Gastronomen heute an Verpackungslösungen, und wie haben sich die Erwartungen von Gästen und Konsumenten verändert?

Die Anforderungen, die Gastronomen an Verpackungslösungen stellen, sind leider nicht unbedingt die maßgeblichen - obwohl sie es eigentlich sein müssten! Vielmehr geht es um die Erfüllung mannigfacher rechtlicher Vorgaben wie etwa die Mehrweg-Angebotspflicht.

Um das Recycling von ausgegebenen Einmalverpackungen mit Systembeteiligungspflicht zu finanzieren, muss ein entsprechender Vertrag mit einem Systembetreiber geschlossen werden - abhängig von Mengen und Materialarten. Dazu kommt die neue, im August in Kraft tretende PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) der Europäischen Union, die im Hinblick auf die ultimative Zielsetzung, dass alle Verpackungen bis 2030 recycelbar sein sollen, mit ungeahnt ambitionierten Herausforderungen einhergehen wird.

Schließlich gibt es noch gezielt anwendbare Auslegungssachen, um die Begrifflichkeit des 'Hintertürchens' bewusst zu umschiffen, so dass die über die SUPD (Single-Use-Plastics Directive) verbotenen Kunststoff-Artikel wie flache Teller, Becher, Bestecke oder Trinkhalme jetzt unter dem Mehrweg-Deckmantel wieder da sind. Nachhaltigkeit ist als ehemals alles beherrschende Thematik zuletzt etwas in den Hintergrund gerückt; für die enorm unter Kostendruck stehenden Gastronomen ist daher der Preis zum entscheidenden Kaufkriterium geworden.

Konsumenten verlangen jedoch zunehmend nach umweltverträglichen Lösungen, die zweckmäßig, praktisch und bis zu einem nicht zu unterschätzenden Grad auch trendig und dem generellen Lifestyle angemessen sein müssen.

 

Die Diskussion um nachhaltige Verpackungen wird häufig auf Mehrwegkonzepte reduziert. Wie bewerten Sie die Rolle von Einmalprodukten aus nachwachsenden Rohstoffen innerhalb moderner Nachhaltigkeitsstrategien?

Die Maßgabe 'schnell, einfach und mobil konsumierbar' bleibt gesetzt, so dass kreislauffähiges Einmalgeschirr, zumal aus hygienischer und sicherheitstechnischer Sicht, nichts an seiner Daseinsberechtigung einbüßen wird. Digital gesteuerte Mehrwegkonzepte sind nicht nur für Gastronomen mit einem hohen, zumeist auch kostspieligen Aufwand verbunden, auch den Konsumenten wird eine oft ungewollte und als Einschränkung empfundene 'Beteiligung' abverlangt.

Mehrweg, das zeigen unsere Erfahrungen deutlich, wird demnach insbesondere bei Takeaway-Verpackungen nicht gut angenommen. Die Alternative sind Verpackungslösungen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Pappe, Kraftkarton, Zuckerrohr oder Palmblatt.

 

Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema der Branche. Welche Chancen, aber auch Herausforderungen ergeben sich daraus für PAPSTAR als Anbieter von Verpackungs- und Verbrauchslösungen?

Die Herausforderungen sind enorm und man kann sicherlich davon sprechen, dass sich PAPSTAR einem grundlegenden Paradigmenwechsel gestellt hat - mit der notwendigen Konsequenz und zukunftsorientiert. Der ganzheitlichen Unternehmenspolitik pro Umwelt und Nachhaltigkeit folgend, sehen wir uns längst nicht mehr 'nur' als In-Verkehr-Bringer von Einmalprodukten, sondern im Eventbereich auch als Lösungsanbieter für zirkuläre Stoffstromlösungen. Mit der für diese Zwecke 2019 als Spinn-off gegründeten PAPSTAR Solutions GmbH begleiten wir den kompletten Lifecycle unserer Produkte, um ihnen nach dem Gebrauch zu einem zweiten Leben zu verhelfen.

Grundvoraussetzung ist die Verwendung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen. Das Sortiment wurde sukzessive auf plastikfrei umgestellt - in der PAPSTAR-Warengruppe 'Einmalgeschirr und Serviceverpackungen', die immerhin round about 1200 Artikel umfasst, liegen wir schon bei 95 Prozent.

Schließlich sprechen wir bei gebrauchtem Einmalgeschirr nicht von Abfall, sondern von einem wertvollen Rohstoff. Durch den Einsatz eines Bio-Konverters mit patentierten Mikroben und einer Hygienisierungsfunktion lassen sich Speisereste und Bioabfälle pflanzlicher Herkunft oder Einmalgeschirr aus nachwachsenden Rohstoffen in einem faserrückgewinnenden Aufbereitungsprozess zu einem Sekundärrohstoff transformieren. Aus diesem können dann neue Pappprodukte hergestellt werden.

 

Wie gelingt es Ihnen, Nachhaltigkeit, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden - insbesondere vor dem Hintergrund steigender Kosten und hoher Qualitätsansprüche?

Im Tagesgeschäft wirkt das manchmal wie die Quadratur des Kreises - letztendlich geht es aber darum, Kunden für sich zu gewinnen, die einzuschätzen wissen, dass ein konsequentes Nachhaltigkeitsdenken auch immer etwas mit einem Mehr an Engagement und zuweilen auch Aufwendungen zu tun hat.

Was uns für den Eventbereich gelungen ist, gilt es jetzt ins Takeaway und Delivery zu transferieren - so gut es halt geht, auch wenn wir uns darüber im Klaren sind, dass die Herausforderungen nicht größer sein könnten. Beispiel Funktionalität: Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen haben sicherlich noch schlechtere Isoliereigenschaften als Verpackungen aus XPS, also aus expandiertem Polystyrol.

 

Wo sieht PAPSTAR aktuell die größten Innovationspotenziale bei Verpackungen für Takeaway und Delivery - sowohl bei Materialien als auch bei Produktkonzepten?

Als Handelsunternehmen können wir natürlich recht zügig auf die geänderten Bedürfnisse unserer Kunden reagieren, so dass wir den Takeaway- und Delivery-Markt mit unserem aktuellen Sortiment recht gut abdecken. Wir hoffen natürlich, dass sich die Produkteigenschaften von nachwachsenden Rohstoffen insofern verbessern, dass sie den Kunststoffen in nichts nachstehen werden.

 

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Wie könnte eine nachhaltige Verpackungslösung für den Außer-Haus-Markt in einigen Jahren aussehen?

Wie schon im Eventbereich, wo uns der Nachweis gelungen ist, dass unsere Produkte hervorragend in einem Kreislauf funktionieren, wünschen wir uns natürlich auch für Takeaway und Delivery Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen, die sich im Idealfall wieder in die Natur zurückführen lassen.

Bei Verpackungen, die wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden können, geht es aber auch um neue Rahmenbedingungen, die passenden Entsorgungssysteme und entsprechende Entscheidungen von Wirtschaft und Politik, um wirklich etwas zu verändern. Zukunftsfähige Verpackungen gibt es bereits. Die weitere Herausforderung wird darin bestehen, sie funktionaler und wirtschaftlicher zu machen. Apropos Bevölkerung: Klar ist, dass bei allen Kreislauflösungen für nachhaltige Verpackungen immer auch der Verbraucher gefordert sein wird, an ihnen mitzuwirken.

Leider ist das aktuelle Entsorgungssystem darauf noch nicht ausgerichtet, sondern fokussiert im Rahmen der PPWR zunehmend auch Kunststoffprodukte, obwohl man eigentlich von erdölbasierten Rohstoffen Abstand nehmen wollte.

Grundsätzlich hat sich PAPSTAR dazu verschrieben, die Verköstigung von Getränken und Speisen wieder zu einem Erlebnis werden zu lassen. Der Konsument sollte sich dabei keinerlei Gedanken zur nachhaltigsten Verpackung machen müssen. Das übernehmen wir, wobei sich Einweg und Mehrweg nicht gegeneinander ausschließen, sondern sich zuweilen auch gut ergänzen können.

Das Interview führte Karolina Treder für die "gastrotel" (GW Verlag GmbH, Meerbusch), Deutschlands auflagenstärkstes Fachmagazin für Gastronomie und Hotellerie; erschienen in Ausgabe 3|26.

 

Über die gastrotel

gastrotel ist das auflagenstärkste IVW-geprüfte (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.) unabhängige Fachmagazin für Unternehmer und Manager in Gastronomie und Hotellerie in Deutschland. Mit einer Verbreitung von 75.094 Exemplaren (IVW 1/2026) erreicht die Publikation fast jeden zweiten gastronomischen Betrieb in Deutschland.

Zu den Themenschwerpunkten zählen vorrangig: an individuellem Erfolg orientierte Praxisreportagen aus der Breite der Zielgruppe (Bistros, Cafés, Gaststätten, Kneipen, Restaurants, Szenegastronomie, Gasthäuser, Pensionen, Familienhotels etc.), auf Innovationen und Impulse des Marktes bezugnehmende Fachthemen aus den Segmenten Food & Beverages, Ausstattung & Ambiente, Ausstattung & Technik sowie auf den aktuellen und visionären Betriebserfolg ausgerichtete Management- und Marketingthemen.

Selbstverständlich begleitet die Redaktion auch die für die Branche relevanten gesellschaftlichen, wirtschafts- und verbandspolitischen Entwicklungen mit News, Kommentaren, Meinungen und Statements.

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