Kreisjahrbuch Euskirchen 2027
PAPSTAR-Story auf Anfrage - "Einmalgeschirr fernab jeglicher Eindimensionalität"
von Bernd Born
PAPSTAR ist eine besondere Ehre zuteil geworden: Für das Bestseller-Format "Jahrbuch des Kreises Euskirchen" wurde von Kreisarchivarin Heike Pütz (Presse- und Kulturamt) eine umfangreiche Titelgeschichte angefragt, die sozusagen sinnbildlich für das 2027er-Schwerpunktthema „Made im Kreis Euskirchen“ steht. Dabei rücken Menschen und Unternehmen in den Fokus, die den Kreis Euskirchen durch ihre Erfindungen, Produkte und Produktivität in der Region, in Deutschland und der Welt bekannt gemacht haben.
Eine Bitte, der Bernd Born als gelernter Journalist und Redakteur sowie als Kommunikationsverantwortlicher des Unternehmens gerne nachgekommen ist.
"Einmalgeschirr fernab jeglicher Eindimensionalität – PAPSTAR begleitet den kompletten Lebenszyklus seiner Produkte" ist der reich bebilderte Beitrag überschrieben, der nicht nur bedeutende Ereignisse der (jüngeren) Firmengeschichte – die Ursprünge in Schleiden-Olef reichen bis ins Jahr 1873 zurück; der Umzug an den heutigen Standort Kall datiert von 1981/1982 – oder auch die Ursprünge des prägnanten PAPSTAR-Logos chronologisch einordnet, sondern zugleich auch die stetige Wandlungsfähigkeit des Unternehmens vor dem Hintergrund einer sich ständig verändernden Marktlage rund um Einmalprodukte für Takeaway, Delivery oder generell das HoReCa-Business dokumentiert.
130.000 Quadratmeter, das sind immerhin stolze 18 Fußballfelder standardisierter Größe, bleiben nicht unentdeckt. Insbesondere dann nicht, wenn man sich auf der Eifelautobahn 1 für die Anschlussstelle Nettersheim entscheidet, im weiteren Verlauf der Landstraße 206 in Richtung Kall folgt, um kurz hinter der Ortschaft Keldenich linker Hand die Verwaltungszentrale und das Logistikzentrum von PAPSTAR zu passieren.
Das sich bietende Gesamtbild von üppigen, größtenteils landwirtschaftlich genutzten Grünflächen und Waldgebieten rund um den herausragenden, logobedingt klar zuzuordnenden Hochregallager-Riesen ist auf den ersten Blick so gar nicht "Industrie-like" und dient der von diesem Standort kontinental agierenden Vertriebsgesellschaft bisweilen sogar als willkommene Cover-Ansicht für wiederkehrende Nachhaltigkeitspublikationen.
Von Kall nach ganz Europa
Die Mär vom Produktionsstandort ist schnell widerlegt. Zwar verfügt die PAPSTAR Group mit der RICK Produktion GmbH im nahegelegenen Schleiden-Olef, der niederländischen Conpax B.V. (Oosterhout/Gelderland) und der Paper Print Converting GmbH im österreichischen Spittal an der Drau (Kärnten) über eigene Fertigungssstätten für Pappteller, Lebensmittelverpackungen, Tissue-Servietten & Co., aber eben nicht in Kall, wo sämtliche Lagerkapazitäten die permanente Lieferfähigkeit des gesamten, alles in allem ca. 9.000 Artikel umfassenden Produktportfolios sicherstellen – flächendeckend für zahlreiche Standorte, Vertriebspartner und Distributoren in ganz Europa.
Pappenfabrik als Keimzelle
Pappteller und Pommesschale sind in ihrer Einfachheit zwei Stücke deutscher Kulturgeschichte. Der gelernte Buchbindermeister und Erfinder Hermann Henschel aus Luckenwalde war hierzulande im Jahr 1867 der erste Hersteller von Papptellern mit der urtypisch geriffelten Randstruktur. Seine Motivation: Er wollte aus medizinischen Gründen Lebensmittel hygienischer verpacken. Dieser Trend zog auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA Erfindungen nach sich, so etwa den von Lawrence Luellen und Hugh Moore erfundenen Pappbecher, der ursprünglich die Form eines Kegels hatte.
Auch heute und mehr denn je ist die Hygiene eines unter vielen guten Argumenten für Einmalgeschirr. Aber zurück nach Deutschland, zurück ins 19. Jahrhundert. Denn schon 1873, kurz nach Hermann Henschels Erfindung, gründete Oswald Matheis über 600 Kilometer weiter westlich, am holz- und wasserreichen Standort in Olef, seine Pappenfabrik – die Keimzelle des heutigen Unternehmens PAPSTAR.
"Der beste deutsche Karton"
"Ganz klar, die Idee zum reinen Markennamen kommt von Clemens Rick († 2012)," lässt Bert Kantelberg, der bis zu seinem endgültigen Ausscheiden zu Beginn des Jahres 2026 über vier Jahrzehnte lang in führenden Positionen die Geschicke von GmbH und Holding AG maßgeblich und vor allem zukunftsorientiert leitete, erst gar keine Zweifel aufkommen: "Mit der Übernahme der Pappenfabrik Oswald Matheis im Jahr 1969 durch Gernot Langes-Swarovski († 2021), dem langjährigen alleinigen Aktionär der PAPSTAR Holding AG, hat mein Schwiegervater die Geschäfte übernommen, um sozusagen von Anbeginn an auf die Produktmarke PAP*STAR zu setzen." [1]
PAP als Synonym für Pappe, schließlich basiere die Geschäftstätigkeit seit über 150 Jahren auf heimischem Holz als Rohstoff; STAR, so Kantelberg weiter, sei als Hinweis auf den "besten deutschen Karton in der damaligen Matheis-Produktion" zu verstehen gewesen.
Die Namensschöpfung war der erste geniale Schachzug des späteren Visionärs und Spiritus Rector Clemens Rick auf dem Weg von einer überschaubaren Eifeler Pappenfabrik – der Umzug der damaligen PAPSTAR Vertriebsgesellschaft mbH & Co. KG an den heutigen Standort ins Kaller Industriegebiet erfolgte in den Jahren 1981/1982 – zu einem Global Player und führenden Anbieter für Einmalgeschirr und Serviceverpackungen (zudem: Gedeckter Tisch & Raumdekorationen sowie Einmalprodukte für Haushalt, Küche, Pflege und Hygiene).
Erste offizielle Registrierung im Jahr 1972
Als reine Wortmarke wurde PAPSTAR erstmals am 24. Mai 1972 beim "Madrider Abkommen über die internationale Registrierung von Marken von 1891" (kurz: Madrider Markenabkommen oder MMA) registriert. Auffällig: Das bei internen Recherchen erstmals 1970 auf einer Preisliste entdeckte zweizeilige Logo kommt in den Folgejahren zumeist in einem knalligen Orange daher, mit fettem Schlagschatten oder – in einer sehr auffälligen floralen Version – mit dem flankierenden Motiv einer inmitten einer Blumenwiese liegenden, sommerlich gekleideten Dame, den Kopf auf der rechten Hand abstützend. "Für mehr Freizeit-Freude," [2] so der Claim seinerzeit.
Klare Schwarzweiß-Ausrichtung
Aus wessen Feder das farbenfrohe PAPSTAR-Motiv stammt, lässt sich nicht exakt nachverfolgen. Wohl aber verdichten sich die Indizien, dass die damalige Offermann Werbegestaltung GmbH mit Sitz in Kall-Sistig entscheidend involviert gewesen sein muss. "Es lässt sich tatsächlich mit etlichen Fotos dokumentieren, dass mein Vater Erwin sämtliche PAPSTAR-Lkw exakt um diese Zeitspanne herum foliert hat," [3] berichtet Tochter Sandra Zenner, die den Betrieb nach dem Tod ihres Vaters weiterführte.
Wir machen einen Sprung ins für die finale Entwicklung des PAPSTAR-Logos bedeutende Jahr 1984, in dem Clemens Rick die sich zu Beginn des Jahrzehnts immer deutlicher herauskristallisierende Schwarzweiß-Ausrichtung weiter forcierte. Orangefarbene Produktaufmachungen standen allein deshalb auf dem Prüfstand, weil es bei Produktetikettierungen des Öfteren zu ärgerlichen Farbabweichungen gekommen war.
"Die Wahrheit ist Schwarz auf Weiß," [4] gilt als eines der überlieferten Rick-Zitate, die Werbegrafik-Koryphäe Anton Stankowski aus Stuttgart ins Spiel bringt. Aus seiner Feder stammen gleichermaßen renommierte wie einprägsame Werbegestaltungen wie die Bild-, Wort- oder Formmarken des Süddeutschen Rundfunks (1954), der Iduna Versicherungen (1958), der REWE-Lebensmittelgruppe (1969) oder auch der Deutschen Bank (1974).
Aus PAPSTAR-Sicht ist dem weltbekannten deutschen Grafikdesigner die markante schwarze Welle als Sinnbild für ein dynamisch aufstrebendes Unternehmen zuzuschreiben, die bis zum heutigen Tag gruppenweit einen unschätzbaren Wiedererkennungswert besitzt.
Einmalprodukte für Sicherheit und Hygiene
Mit Clemens Rick und Bert Kantelberg, der 1994 in die Geschäftsführung aufrückte, nahm die Erfolgsgeschichte von PAPSTAR ihren Lauf. Unaufhaltsam und vor allem expandierend; die erste internationale Niederlassung war bereits im Jahr 1984 im niederländischen Tilburg gegründet worden. Preiswerte Tellerchen, Verpackungen, Bestecke und Servietten wurden allerortens benötigt, insbesondere immer dann, wenn bei großen Anlässen oder Festivitäten viele Menschen gleichzeitig beköstigt werden mussten.
"Einmalgeschirr und Serviceverpackungen dienen in erster Linie der Sicherheit sowie der Hygiene und somit der Gesundheit von Verbrauchern," hat es Bert Kantelberg immer wieder auf den Punkt gebracht: "Becher aus Karton – nehmen wir mal den Fall, dass sie am Wochenende bei einer Sportveranstaltung verantwortungslos in Richtung Spielfeld geworfen werden – können halt niemanden verletzen, in Schwimmbädern gehen sie nicht zu Bruch. Und wenn beim Pfarrfest das Bierglas zigmal nur kurz und unzureichend gespült und dann wiederverwendet wird, ist das nicht sonderlich hygienisch." [5]
Lange Rede, kurzer Sinn: PAPSTAR-Produkte waren "en vogue" – egal ob es aus Pappe oder Plastik, ihre Notwendigkeit wurde nirgends angezweifelt und wer eine Veranstaltung im größeren Stil plante, hatte sie zwischen Grillwürstchen und Softgetränken automatisch auf seiner Einkaufsliste stehen. Ein Automatismus, an dem sich bis zum heutigen Tag grundsätzlich nichts verändert hat.
Verbot von Einwegplastikprodukten
Die Betonung liegt auf "grundsätzlich", denn zunehmend aufkeimende Generalkritik an einer zu sorglosen Wegwerfgesellschaft und das Bekanntwerden der vom Europäischen Parlament auf den Weg gebrachten SUPD (Singe-Use Plastics Directive) waren schließlich ausschlaggebend dafür, dass sich PAPSTAR Mitte der 2010er Jahre erstmals einem sich anbahnenden und weitreichenden Paradigmenwechsel stellen musste. Die finale Einwegkunststoffrichtlinie trat schließlich 2019 mit dem Ziel der Verringerung der Umweltbelastung durch Plastikabfälle in Kraft, einschließlich eines strikten Verbotes von gängigen Kunststoffprodukten (Teller, Becher, Bestecke, Thermoverpackungen), die allein schon aus Praktikabilitäts- und Versorgungsgründen (Trinkhalme in Pflegeeinrichtungen) oder aufgrund ihres niedrigen Preises durchaus zu den Bestsellern des umfangreichen Sortimentes zählten.
Nachwachsende Rohstoffe im Fokus
Allein dem ausgeprägten unternehmerischen Weitblick von Bert Kantelberg ist es zu verdanken, dass sich die gesamte Unternehmensgruppe – heute ist die SEGNAL Privatstiftung (rückwärts gelesen: LANGES) mit Sitz im österreichischen Wattens Haupteigentümer der PAPSTAR Group – den sich stetig verändernden Herausforderungen des Marktes nicht nur stellte, sondern sukzessive in eine Pionierrolle schlüpfte, die, so viel kann man bereits vorwegnehmen, die verantwortungsvolle Verwendung von Einmalartikeln in gewisser Weise revolutioniert sollte.
Latent wiederkehrende und herausfordernde Grundsatzdiskussionen mit Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft sowie mannigfachen Organisationen und Verbänden, Credo: "Einweg böse, Mehrweg gut!", hielten PAPSTAR nicht davon ab, schon weit vor den ersten Plastik-Verboten die Sortimentsrange konsequent auf nachwachsende Rohstoffe – neben Pappe und Papier auch Palmblatt, Bagasse (Zuckerrohr), Bambus, Agrarreste oder Maisstärke – umzustellen. Die Einführung der Sortimentslinie "pure" geht auf das Jahr 2008 zurück; knapp 20 Jahre später bestehen aktuell beispielsweise 96 Prozent der Artikel der größten Warengruppe "Einmalgeschirr und Serviceverpackungen" eben nicht mehr aus laut SUPD und trotz hervorragender Recyclingseigenschaften als "durchweg problematisch" eingestuften erdölbasierten Kunststoffen, sondern aus regenerierbaren Ausgangsmaterialien.
Wegweisende Kreislaufwirtschaft
Im Gegensatz zu den Mitbewerbern wollte es PAPSTAR allerdings nicht "nur" bei der Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen für seine Produkte belassen. Schließlich war die Richtlinie, die das Aus von Einwegkunststoff de facto besiegelte, auch Teil der EU-Strategie für eine anzustrebende Kreislaufwirtschaft.
Der ganzheitlichen Unternehmenspolitik pro Umwelt und Nachhaltigkeit folgend, zeigte sich PAPSTAR mit beeindruckender Beharrlichkeit und konsequent gewillt, aus der Not eine Tugend zu machen, sich nicht mehr länger nur als In-Verkehr-Bringer von unter hygienischen und sicherheitstechnischen Aspekten wertvoller Einmalprodukte zu sehen, sondern vielmehr als ganzheitlicher Lösungsanbieter für zirkuläre Stoffstromlösungen. Tenor: PAPSTAR begleitet fortan den kompletten Lebenszyklus seiner Produkte, um ihnen – zumindest nach dem Gebrauch im Eventbereich – zu einem zweiten Leben zu verhelfen.
Gründung der Solutions-Sparte
"Kein Abfall, sondern wertvoller Rohstoff!" [6] Die auch marketingtechnisch inszenierungstaugliche und viel beachtete innovative Herangehensweise des Unternehmens wurde mit der Gründung der PAPSTAR Solutions GmbH Nachdruck verliehen, um im gleichen Jahr maximal motiviert mit den ersten Pilotprojekten zu starten.
In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit den Schönmackers Umweltdiensten und der Hochschule Rhein-Waal galt es im April 2019 gesellschaftliche und wissenschaftliche Fragestellungen miteinander zu kombinieren. Beim Street Food Festival im niederrheinischen Kleve sollte zunächst von elementarer Bedeutung sein, ob und wie bereitwillig die Besucher das durchgängig verwendete Einmalgeschirr aus nachwachsenden Rohstoffen (Holz/Frischfaser-Karton, Palmblatt, Zuckerrohr, Maisstärke) in extra bereitgestellte Abfallbehältnisse entsorgen würden. Und siehe da, der für das Forschungsprojekt basisschaffende erste Teil des Experiments sollte funktionieren. Bei optimalen äußeren Bedingungen mit viel Sonne legten die ausgiebig vorinformierten Festivalbesucher, über 5.000 an der Zahl, ein Abfalltrennverhalten an den Tag, mit dem in dieser Konsequenz nicht zu rechnen war. Fehlwürfe hielten sich in Grenzen, so dass ca. 400 Kilogramm Geschirr- und Besteck-Abfälle aus nachwachsenden Rohstoffen freigegeben werden konnten.
40-seitige Forschungsarbeit
Das Feld war bereitet für das Forschungsprojekt von Denise Brandt, engagierte Studentin im Studiengang "Biologische Ressourcen" – der vollständige Titel: "Kompostierung von biologisch abbaubarem Geschirr und Bioabfällen vom Straßenlebensmittelfest in Kleve in der Industriekompostierungsanlage Schönmackers in Goch."
Die auf 40 Seiten niedergeschriebenen Ergebnisse der monatelangen, akribisch vorbereiteten und ausgewerteten Versuchsreihen stellte die engagierte Studentin schließlich ihrem Supervisor Professor Dr. Matthias Kleinke und den am Pilotprojekt beteiligten Parteien, allen voran PAPSTAR, vor. Demnach waren alle eingebrachten Wertstoff-Fraktionen biologisch abbaubar, allerdings nicht in der für die Wirtschaftlichkeit einer industriellen Kompostieranlage unabdingbaren Zeitspanne von zwei bis maximal drei Wochen.
Soll heißen: Die einzelnen Material-Fraktionen (Holz/Karton, Palmblatt, Zuckerrohr, Maisstärke) zeigten in den Rotte-Prozessen und -stadien unterschiedliche Grade der Zersetzung. Während die auf Maisstärke basierenden und transparenten PLA-Becher (PLA-Polylactide, auf Maisstärke basierend) schon nach wenigen Tagen nicht mehr nachzuweisen waren und auch Produkte aus Karton oder Zuckerrohr durch gute Kompostierungseigenschaften zu punkten wussten, erwiesen sich beispielsweise formstabile Teller oder Schalen aus Palmblatt als wesentlich widerstandsfähiger und benötigten deutlich mehr Zeit zur sukzessiven Auflösung der Faserstruktur.
Bio-Konverter als Lichtblick
"Im Endeffekt hat der Zusatz 'biologisch abbaubar' für alle untersuchten Materialarten seine Berechtigung, allerdings wird es kaum ein Kompostwerk geben, das sich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine um mehrere Wochen aufwändig verlängerte Durchlaufphase inklusive Nachrotte erlauben kann," [7] brachte Denise Brandt seinerzeit leicht nachvollziehbare Bedenken an.
Eine zunächst demotivierende Erkenntnis, die man bei PAPSTAR allerdings gut einzuordnen wusste. Nicht zuletzt aufgrund erster Erfahrungen mit einem unternehmenseigenen Bio-Konverter, umgangssprachlich auch Kompostiermaschine genannt. Diese arbeitet anders als bei der "Freiluft-Kompostierung" mit einem Bakterienstamm und unter ständig optimalen Temperatur- und Umwälzbedingungen, so dass die in der Betriebskantine eingesetzten Einmalprodukte aus Bagasse mitsamt Kaffeesatz, Speiseresten und Bioabfällen pflanzlicher Herkunft in schöner Regelmäßigkeit und im 24-Stunden-Takt zu einem stark Cellulose-haltigen Sekundärrohstoff aufbereitet werden können.
Gleich zwei Innovationspreise
Für die PAPSTAR Solutions GmbH um die beiden Vordenker Frank Kolvenbach und Andreas Köller nahmen die Dinge ihren natürlichen Lauf. Zur Gewährleistung eines rechtssicheren Geschäftsmodells rund um den exklusiven Vertrieb von Bio-Konvertern unterschiedlicher Größenordnung wurden die jeweils aktuell vorgegebenen Rahmenbedingungen seitens des Gesetzgebers intensiv beleuchtet und fortwährend angepasst. Dazu gehörten Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), Bioabfallverordnung (BioAbfV), Verpackungsgesetz (VerpackG) oder auch die Tierische-Nebenprodukte-Beseitigungsverordnung (TierNebV).
"Im Hinblick auf die Erreichung nationaler und internationaler Klimaziele ist eine Rückführung von Rohstoffen in entstehende Kreislaufwirtschaften notwendige Bedingung und Aufgabe für alle Wirtschaftsakteure," [8] leitete Andreas Köller im Frühjahr 2023 umfangreiche Bewerbungsunterlagen ein, nach deren Prüfung durch eine jeweils fachkundige Jury das Solutions-Spinn-off des Unternehmens mit dem AC²-Innovationspreis Region Aachen 2023 und dem Nachhaltigkeitspreis der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen ausgezeichnet wurde. Der ganzheitliche, zumal praxiserprobte Ansatz wusste vollauf zu überzeugen und sorgte branchenübergreifend für Gesprächsstoff.
Stoffstrom-Management-Konzepte
Die Aufgabenstellung für eine "grüne Zukunft" wurde im Hause PAPSTAR von Grund auf angegangen: Konsumenten würden zunehmend nach nachhaltigen Lösungen verlangen, beispielsweise im Rahmen der Gemeinschafts- und Eventverpflegung, wobei insbesondere aus Gründen der Hygiene und Sicherheit der Einsatz von Einmalprodukten oftmals zwingend geboten sei.
"Bis dato werden Einmalprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen nach dem Gebrauch als Restmüll betrachtet und in der Verbrennung entsorgt, obwohl diese exzellente Lösungsansätze ermöglichen, um Wertstoffkreisläufe zu schaffen und eingesetzte Rohstoffe abermals einer zielgerichteten Nutzung zuzuführen," [9] heißt es im aufgesetzten Whitepaper. Letztendlich, so die vorrangige Erkenntnis von Kolvenbach und Köller, bedürfe es unterschiedlicher Stoffstrommanagement-Konzepte in Abhängigkeit von den eingesetzten Produkten und deren Materialart, denn laut Studien (Ramboll: Ökobilanz-Studio "Einweg vs. Mehrweg") würden Einmalverpackungen unter Nachhaltigkeitsaspekten in vielen Bereichen besser abschneiden als Mehrweglösungen. Wesentlich sei dabei, dass nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz kommen würden.
Zero Waste - Pure Pleasure
Die PAPSTAR Solutions GmbH hat schließlich das nachhaltige Gesamtkonzept "Zero Waste – Pure Pleasure" für Cateringgeschirr und -besteck auf Veranstaltungen mit den Leistungsbausteinen Beratungs-, Waren-, Kommunikations-, Recycling- und Kreislaufkonzept entwickelt. Damit wird nachhaltiges Catering auf Veranstaltungen möglich, ohne dass Abfälle durch Geschirr und Besteck zurückbleiben. Die Leistungen wurden aufeinander abgestimmt: Die Eventabfälle werden nach Restmüll und Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen getrennt gesammelt. Durch den Einsatz eines Bio-Konverters wird eine Faseraufbereitung des gebrauchten Einmalgeschirrs erreicht. Der so gewonnene Sekundärrohstoff wird zu Pappe weiterverarbeitet, die in der Industrie zum Einsatz kommt.
Praxiserprobt bei der OldieRockNacht
Mit einer intelligenten zweigeteilten Rücklauflogistik über Rückgabestationen und Servicekräfte – ein Procedere, welches Jahr für Jahr im Rahmen der "Eifeler OldieRockNacht" zugunsten der "Hilfsgruppe Eifel für krebskranke Kinder" auf dem PAPSTAR-Gelände einwandfrei funktioniert – wird das genutzte und deutlich an Platz sparende Einmalgeschirr sortenrein in stabilen Kraftpapiersäcken gesammelt. Über ein Entsorgungsunternehmen ist der reibungslose Transport zum nächstgelegenen Wertstoffhof oder Abfallwirtschaftszentrum mit Bio-Konverter organisiert.
Karbonisierungsverfahren
PAPSTAR geht aber noch einen Schritt weiter und arbeitet im Rahmen des gemeinschaftlich vorangetriebenen Großprojektes "Annahme- und Aufbereitungsstation für gebrauchtes Einmalmaterial" zielgerichtet mit dem renommierten Biologen Joachim Böttcher (ricion AG – Regeneration in Cycles is our Nature) zusammen.
Dabei geht es um ein pyrolytisches Karbonisierungsverfahren (exothermischer Umwandlungsprozess bei hohen Temperaturen; auch Verkohlung genannt) zur Herstellung von Pflanzenkohle aus gebrauchtem, auf nachwachsenden Rohstoffen basierendem Einwegmaterial. "Pflanzenkohle hat hervorragende physikalische Funktionen, kann jede Menge CO₂ binden, Wasser speichern, aber auch Nährstoffe für eine höhere Austauschkapazität," [10] so Joachim Böttcher.
Die gewonnene Pflanzenkohle wird schließlich mit Milchsäurebakterien und weiteren Mineralstoffen "aufgeladen" und sukzessive zu einem fruchtbaren Boden, der Terra preta (portugiesisch für "schwarze Erde") veredelt. Das sei ein typischer Bodenverbesserer, ähnlich wie Kompost, nur viel besser. Über die Pflanzenkohle würde die richtige Mikrobiologie gleich im Bodenhumus aufgebaut. Böttcher: "Wir bringen so alle positiven Eigenschaften und fixierten Kohlenstoff in den Boden hinein." [11]
Klimapositives Verfahren
Das Prozedere sei genial, so der Bodenexperte, "rund 50 Prozent des Eingangsmaterials wird zu Pflanzenkohle konvertiert; die anderen 50 Prozent werden zu Biogas gewandelt, welches Wärme für den eigenen Prozess und zusätzliche Wärmebedarfe generiert." [12] Das Karbonisierungsverfahren mit Einmalmaterial wird von Böttcher explizit als "klimapositiv" bezeichnet, während eine sonst übliche Abfallverbrennung den in der Biomasse enthaltenen Kohlenstoff wieder vollständig als CO₂ freisetzen würde.
Verpackung der Zukunft
PAPSTAR hat sich auf den Weg gemacht und ist längst zu einem maßgeblichen Treiber einer nachverfolgbaren Kreislauforientierung in der HoReCa-Branche (Hotel, Restaurant, Catering) und der Gemeinschaftsverpflegung geworden.
Die Herausforderungen werden allerdings nicht weniger werden – in dritter Generation wird nach Clemens Rick und Bert Kantelberg jetzt Tom Kantelberg (36), in Personalunion neuer CEO der PAPSTAR GmbH und Vorstandsvorsitzender der PAPSTAR Holding AG, mit weitreichenden Fragestellungen nach der "Verpackung der Zukunft" und mit dem Aufspüren neuer Geschäftsfelder und neuer Sortimente konfrontiert sein.
Und das unter sich rasant verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in einer zunehmend kurios anmutenden Arbeitswelt, die durch globale Ereignisse, technologische Fortschritte und gesellschaftliche Entwicklungen maßgeblich beeinflusst wird. Wohl dem, der sich bei aller Innovationsfreudigkeit und natürlicher Weiterentwicklung auf einen breiten Stamm bewährt leistungsstarker, verlässlicher und loyaler Mitarbeiter verlassen kann.
Das PAPSTAR-Sortiment umfasst über 5000 aus rund 200 zusammengeführte Verbrauchsartikel der Kategorien Einmalgeschirr und Serviceverpackungen, Gedeckter Tisch und Raumdekoration sowie Einmalprodukte für Haushalt, Küche, Pflege und Hygiene. Neben dem Einsatz nachwachsender Rohstoffe konzipiert PAPSTAR über die eigens für solche Zwecke gegründete PAPSTAR Solutions GmbH verstärkt auch fundierte Kreislauflösungen (faserrückgewinnende Aufbereitungsprozesse und Recycling) im Rahmen vieler Veranstaltungen, beziehungsweise im Catering und in der Gemeinschaftsverpflegung. Europaweite Logistik- und Servicekonzepte stellen die permanente Lieferfähigkeit der gesamten Produktpalette sicher.
Anmerkungen
[1] Born, Bernd: Knallorange, Schlagschatten und markante Welle – die Geschichte des PAPSTAR-Logos. Kall, 30.10.2020, siehe: www.papstar-storyteller.de
[2] PAPSTAR GmbH: Unternehmensarchiv; Abteilung: Medien, Kommunikation & Marketing; Kall
[3] wie Anm. 1
[4] Ebd.
[5] rolling pin. (Rolling Pin Media GmbH): No-Waste-Prinzip, mit Einmalgeschirr muss kein Müll entstehen / Expertentalk mit Bert Kantelberg. Graz, April 2022, Ausgabe: #289
[6] Born, Bernd: Komm, wir machen Kompost draus – Erklärvideo und auf drei Säulen basierender Projektaufbau. Kleve, 03.04.2019, siehe: www.papstar-storyteller.de
[7] Born, Bernd: Biologisch abbaubar, nur leider noch nicht in einem wirtschaftlich erforderlichen Zeitfenster. Kleve/Kall, 29.01.2020, siehe: www.papstar-storyteller.de
[8] Born, Bernd / Köller, Andreas: Zero Waste – Pure Pleasure, zirkuläre Lösungskonzepte im Eventcatering und in der Gemeinschaftsverpflegung. Kall, 05.11.2024, siehe: www.papstar.de/solutions/loesungskonzepte
[9] Ebd.
[10] Born, Bernd: Verpackung der Zukunft endet als Pflanzenkohle und Terra preta. Kall, Winter 2025, STORYTELLER to go – Das Print-Magazin von PAPSTAR, siehe auch: www.papstar-storyteller.de/storyteller-to-go
[11] Ebd.
[12] Ebd.