So fing's an ...

Zahnstocher-Künstler Maxim Wakultschik rückte den STORYTELLER 2019 ins digitale Rampenlicht

von Bernd Born

Bernd Born Bernd Born

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Wir haben mal gegoogelt. Wenn eine Ahnung also tatsächlich ein vages Gefühl von einem bevorstehenden Ereignis ist, dann waren wir vor unserem mit Nathalie Krall telefonisch vereinbarten Termin im Düsseldorfer Stadtteil Unterbilk völlig ahnungslos. Sich das einzugestehen, braucht nicht viel Mut - ganz im Gegenteil. Eine gewisse Neutralität schärft den Blick auf das Wesentliche, um sich - wie nehmen' vorweg - des Eindrucks nicht erwehren zu können, für eine gute Stunde in die ganz große Welt einer uns nachhaltig verblüffenden Kunstgattung abgetaucht zu sein.

Denn eines ist uns am 9. Oktober 2019, dem Tag des Atelierbesuchs, sofort klargeworden: Mit Maxim Wakultschik haben wir einen seines (ganz speziellen) Fachs kennenlernen dürfen, der in der internationalen Kunstszene zunehmend von sich reden macht. Beirut, Budapest, Hongkong, New York, Sydney, Venedig - die Frage nach den bedeutendsten Ausstellungsorten hätten wir definitiv anders stellen müssen: Wo denn bitte noch nicht?

Kleine Rückblende: PAPSTAR-Headquarter in Kall in der Eifel, irgendwann im Spätsommer 2019. Unser geschätzter Kollege Jürgen Meurer aus dem E-Commerce muss schon zweimal hinsehen, als er die Bestellmenge eines aus Düsseldorf im Onlineshop eingegangenen Auftrags final checkt: Eine ganze Palette Zahnstocher (xxx) sind schließlich eine dann doch eher ungewöhnliche Größenordnung. Nichtsdestotrotz sollte alles seine Richtigkeit haben.

Aber mal ehrlich: Wir hätten wohl unseren, dem journalistischen Einmaleins gehorchenden Job verfehlt, wenn wir da nicht hellhörig geworden wären.

Gut 1,5 Millionen "Toothpicks"

Eine Palette entspricht 128 Kartons zu je 12 mal 1000 "Toothpicks": Was um Himmels Willen stellt man also mit 1.536.000 exakt 6,8 Zentimeter langen Holzstäbchen an?

Wir sind mitten im Thema, denn ein paar (Recherche-)Anrufe später landen wir zielsicher bei Nathalie Krall, Art Historian & Artist Liaison (Künstler-Repräsentantin) für einen gewissen Maxim Wakultschik, der unsere Zahnstocher der Sortimentslinie "pure" als prädestiniertes Arbeitsmaterial für sein außergewöhnliches Kunstschaffen auserkoren hat. Interesse und Sympathie beruhen auf Gegenseitigkeit und so dürfen wir schon ein paar Wochen später dem aus Minsk stammenden Weißrussen bei seiner detailgetreuen Arbeit über die Schulter schauen.

Im "gut versteckten" Arbeitsatelier in der Nähe des Düsseldorfer Medienhafens - wir haben uns schlussendlich über eine Handyverbindung hinlotsen lassen - ist absolute Präzision gefragt, wenn mehrere Kunststudentinnen dem 46-jährigen Maler und Objektkünstler bei seiner täglichen Sisyphusarbeit assistieren und unterstützen. Maxim Wakultschik kreiert ästhetische, zumeist weiblich fiktive Gesichter, vergleichbar mit einer digitalen Rastergrafik - mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass sozusagen jedes Pixel einer Computersimulation, jeder Bildpunkt durch einen präzise gesteckten Zahnstocher ersetzt wird.

"Einladung, die Grenzen der Wahrnehmung zu überwinden"

Und so gleicht das Arbeitsatelier einem Meer an kunterbunten Farben. Getüncht oder einzeln angemalt - insgesamt werden an die 800 Farbnuancen benötigt, um die im weitesten Sinne als "Tapisserie-Kunst" zu bezeichnende Zahnstocher-Technik zu perfektionieren. Was uns komplett vom Sockel gehauen hat und auch mit dem Begriff "3D" nur völlig unzureichend zu erklären ist: In der Begegnung mit einem Kunstwerk von Maxim Wakultschik führt die kleinste Bewegung, der geringste Wechsel der Perspektive zu verblüffenden neuen Eindrücken.

"Dadurch werden die Arbeiten zu kinetischen Objekten, in denen die Trennungslinie zwischen Wirklichkeit und Illusion verwischt", erklärt Nathalie Krall: "Als flexible Konstrukte des Individuums lädt Maxim uns immerwährend ein, die Grenzen unserer Wahrnehmung zu überwinden."

Mathematisch präzise und akkurat konstruiert

Wir tauchen komplett ab in die Erklärwelt der studierten Kunsthistorikerin, um uns immer sicherer zu fühlen, im Hier und Jetzt einer ganz besonderen Geschichte für unseren STORYTELLER auf die Spur gekommen zu sein. "Maxims Kunst besteht aus mathematisch präzisen und akkurat konstruierten Werken, in denen eine Formelle Ordnung aus unabhängigen Einzelteilen besteht", so die Doktorandin. In seinen komplexen und vielschichtigen Arbeiten erforsche er das Zusammenspiel von Licht und Schatten, Oberflächenstruktur und Farbvibration.

"Dabei liegt der Fokus immer auf dem Effekt, der durch die Reflexion des Umgebungslichts entsteht und zu oszillierenden Variationen der Realität führt, die uns ständig zu einer proaktiven Annäherung an die Werke herausfordern", ist Nathalie Krall unter anderem auch hauptverantwortlich dafür,. round about 30 Ausstellungen per annum - unabhängig der verwendeten Materialien - akribisch vorzubereiten.

Gestochen oder gelegt

Maxim Wakultschik widmet uns reichlich Zeit: So erfahren wir, dass es die verschiedenen Zahnstocher-Techniken "gestochen" oder "gelegt" gibt, dass pro Darstellung ungefähr 6000 bis 100.000 der 0,11 Gramm leichten Stäbchen benötigt werden (Größen von 60 x 40 bis 180 x 140 Zentimeter) und dass die Schaffenszeiten zwischen zwei Monaten und einem ganzen Jahr schwanken.

Wir könnten wahrscheinlich noch viel ausschweifender von einem uns gleichermaßen beeindruckenden wie verblüffenden Termin erzählen, raten aber viel lieber dazu, sich "unsere PAPSTAR-Zahnstocher" in Aktion anzusehen; entweder in Düsseldorf oder den Kunstgalerien dieser Welt. Machen Sie sich auf eine spannende Kunsterfahrung gefasst!

www.maxim-wakultschik.com

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